Burg mit "fürchterlich spannender Geschichte"
Archäologen freuen sich über einen sensationellen Fund in der Esseler Allerniederung. An der Stelle der früheren „Uhlenburg“ hat der Hobby-Historiker Peter Haverkamp einen Siegel-Stempel aus dem 14. Jahrhundert gefunden. Nach Monaten der Restauration und Forschung in Archiven steht fest, wem der Typar gehört hat: einem der drei Adelsherren von Hademstorf, die mit ihrer Festung vor mehr als 600 Jahren die Aller-Schifffahrt kontrollierten.

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Essel (th). Sie war in Vergessenheit geraten, die früher so stolze Uhlenburg in den Wiesen zwischen Essel und Buchholz. Holzpflöcke und Erdwälle lassen nur schwer erahnen, dass hier im 14. Jahrhundert ein Bergfried, ein Backhaus und mehrere beheizbare Wohnhäuser (Kemnaten) thronten. Als die Dürre des vergangenen Sommers den Wasserstand der Aller sinken ließ, machte Peter Haverkamp an einem längst abgeschnittenen Altarm des Flusses den bedeutungsvollen Fund. Sein Metalldetektor ortete den Stempel aus Blei und Zinn, mit dem die Adeligen früher ihr Wappen in Wachs drückten.

Kreisarchäologe Wilhelm Meyer schwärmt von einem "unheimlich glücklichen Fund", und Dr. Hans-Wilhelm Heine vom Landesamt für Denkmalpflege verweist sofort auf die "fürchterlich spannende Geschichte" der Uhlenburg. Tatsächlich: In einem Brief vom 8. Februar 1394 beschweren sich die drei Herren von Hademstorf beim Landrat von Lüneburg, dass die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg ihre Festung niedergebrannt, zerstört und geplündert hätten – "mit Gewalt und Unrecht, der gemeinsamen Sarte (=Verfassung) zuwider."

Der Grund für den nächtlichen, heimtückischen Angriff konnte bisher nicht erforscht werden, eines ist jedoch sicher: Das jetzt gefundene Siegel muss einem der drei Adelsbrüder von Hademstorf gehört haben. "Es wurde immer am Gürtel oder an einem Halsband getragen", weiß Kreisdenkmalpfleger Meyer. Warf einer der Burgherren das Siegel weg, als die Herzöge aus der Dunkelheit auftauchten? Kam es gar zum Kampf? "Der Forschungsstand ist schlecht", sagt Experte Dr. Hans-Wilhelm Heine nüchtern. Die Archäologische Arbeitsgemeinschaft Soltau-Fallingbostel will die rätselhafte Geschichte der Uhlenburg jetzt weiter aufklären – und hofft auf Fördergelder. Gibt es die, sollen Grabungen und geo-magnetische Untersuchungen organisiert werden. Denn vielleicht liegen in anderhalb Metern Tiefe noch ganz andere stumme Zeitzeugen.

Die Esseler Uhlenburg ist nicht die einzige Aller-Festung gewesen. "Wir hatten hier eine Burgendichte, wie man sie normalerweise nur aus Süddeutschland kennt", sagt Dr. Hans-Wilhelm Heine – alle zwei bis drei Kilometer habe es Anlagen gegeben. Im Moment wird überlegt, wie sich dieses Tatsache für den Tourismus vermarkten lässt – beispielsweise durch Führungen und Prospekte.

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